anders arbeiten

Meistens finde ich – ich bin eingespannt, eingespannt in das Rad von Tätigsein und Erholung für neues Tätigsein, damit ich mein Geld zum Leben verdiene. Mit einem grossen Luxus, eine Arbeit zu machen, bei der ich oft nach dem Sinn fragen kann. Aber mit der Gewohnheit, Auskommen zu brauchen und deshalb etwas zu tun.
Dabei weiss ich natürlich: In der Schweiz geschehen gegenwärtig 48% der Arbeit, die geleistet wird, ohne dass sie bezahlt werden. Dass die einen Geld verdienen, hängt direkt damit zusammen, dass die anderen die andere Arbeit machen. Frauen arbeiten überdurchschnittlich viel mehr ohne Bezahlung als Männer, Care-Arbeit ist Frauenarbeit.
Das bedingungslose Grundeinkommen (www.grundeinkommen.ch) ist ein politischer Weg, eine Forderung hörbar zu machen, die Frauen schon lange haben: dass diese Arbeit anerkannt wird. Wenn es ein Grundeinkommen gibt, dann bekommt die, die heute Familie versorgt, Kinder gross zieht, die Schwiegermutter betreut und vieles mehr, eine soziale Sicherung. Das finde ich gerecht. Das ist das eine.
Andererseits ist die Frage nach dem bedingungslosen Grundeinkommen eine Arbeit am Grundlegenden, Symbolischen, das unsere Gesellschaft trägt. Wenn zukünftig das Einkommen vom Arbeiten abgekoppelt wäre, dann bedeutet das für viele Menschen eine ganz neue Art, „Arbeiten“ zu verstehen, nicht nur für die, die heute pflegen. Nein, sie ist dann Tätigwerden, aus Notwendigkeit, aus Lust, für das, was es braucht, in ganz anderen Formen des Aushandelns. Nicht selten sind darin heute schon Menschen unterwegs, die ziemlich prekäre Lebensentwürfe wählen, um anders arbeiten zu können. Frauen, die knapp am Existenzminimum ihr eigenes Projekt gestalten, Männer, die nur noch knapp ausreichend verdienen, weil sie ihre Kinder gross ziehen wollen. Anders arbeiten hat etwas mit Risiko zu tun. Das Grundeinkommen brächte hier Sicherheit.
Für mich, wie vielleicht für Viele, die im Rad des Erwerbslebens leben, stellt sich die Frage, wie eine gute politische Idee, eine U-topie in unseren Alltagen ihren Ort bekommt. Eine habe ich bei Antje Schrupp gefunden, die sich dafür das Sabbatgebot neu übersetzt: http://antjeschrupp.com. Ich würde mir wünschen, dass wir noch viel mehr von diesen Geschichten sammeln, davon, was Arbeiten wie bedeuten kann und wie wir Arbeit deuten.
Ich habe an anderer Stelle angefangen: bei Sonderaufträgen frage ich mich, ob ich die in meinem Land so selbstverständliche monitäre Gegengabe wirklich annehmen oder was ich mit ihr tun könnte. „Aus deiner Fülle haben wir genommen Gnade um Gnade (Johannes 1, 16)“. Die Tradition weiss, dass das meiste, das wir haben, schon vor uns da war. Sie erzählt von der Fülle und nennt sie Gott. Ich versuche, von dieser Fülle aus mein Arbeiten noch einmal neu anzusehen. Viel Spielräume gibt mir mein Erwerbsleben nicht, jetzt schon anders zu arbeiten, aber doch mehr, als ich meist denke. So erhält die U-topie ihren Ort bei mir. Und bei euch?

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