Da ist es – das Blogstöcken

Mechthild Werner hat es mir zugeworfen und ich fange es gern auf. Drei Fragen:
1. Was ist dein schönstes Kindergebet und was der schlimmste Vers aus dem Glaubensbekenntnis?
Mmm, na also, ich habe ja als Kind überhaupt nicht beten gelernt. Ich kam mit 10 zu einem Froilein in den Kindergottesdienst und lernte ein bisschen mühsam und mit ungefähr gleich zittriger Stimme „weil ich Jesu Schäflein bin“ singen und Ausmalbilder mit dem guten Hirten ausmalen. Von meinen säkularen Eltern selbstredend eher mit Skepsis betrachtet. Richtig beten habe ich mit den Psalmen gelernt, viel später, im Studium, und als ich selbst krank wurde und plötzlich oder vielleicht endlich Gott in meiner Nähe eine Frage. „Gepflanzt an Wasserbächen“ ist mir seither der Ort, an dem ich gern schon wäre. Das schlimmste im Glaubenbekenntnis, das ist leicht. Es ist die viel zu kleine Lücke zwischen „geboren von der Jungfrau Maria“ und „gelitten unter Pontius Pilatus“. Dazwischen ist so viel Leben Jesu, und so viel, was wir von diesem Christus im Nachhinein, nach Ostern erfahren. Ich finde es viel zu schnell, mich da einfach nur mit der sogenannten Heilsgeschichte abzufinden. Dazwischen fehlen so viele Sätze, die mir wert sind: hat mit den Ausgeschlossenen am Tisch gesessen, hat sich der Frauen angenommen, hat Kranke geheilt, hat einsam Gott gesucht….und so weiter.

2. Was würdest du als Päpstin oder Kirchenpräsident als erstes tun?
Keine Frage, wenn, dann würde ich gern Kirchenpräsidentin. Obwohl, ob hier, ob jenseits des Ökumenegrabens – ich würde so viel Verwaltung abschaffen, wie ich nur könnte. Und meine Backen gross auffblasen, um viel lebendigen Wind ins Innere dieser Kirche zu blasen. Ich würde Gekicher verordnen und Respektlosigkeit, schräge Fragen, gute Kaffeemaschinen und echte Theologie, die so richtig die Köpfe rauchen lässt. Und dann würde ich einen Blumenstrauss kaufen, um ihn sehr bald einem Menschen zu bringen, der mir immer gezeigt hat, wie lebendig Kirche ist, der bescheidenen Diakonisse vielleicht, die mich einmal eine zeitlang begleitet hat und mich zum Essen einlud, als ich es brauchte, dem Sigristen, der in der Nachbargemeinde alles zusammenhält, der Frau, die am Sonntag so lächelt, wenn sie mir das Gesangbuch gibt, also allen, die irgendwie mich spüren lassen, dass Kirche vor allem Gemeinschaft ist, die sich ereignet.

3. Sollte sich die Kirche mehr Beulen holen?
Mmm, hat sich nicht schon viele? Grundsätzlich finde ich, je mehr Beulen desto besser. Sie könnt mal endlich anfangen, mehr zu sagen, sich drein zu mischen in diese Wirklichkeit, raus zu rücken mit den Visionen von Gerechtigkeit für alle und der Rechtfertigung der Ausgeschlossenen und dem gefährlichen Gott, der/die nicht einfach nett ist, sondern ein Abgrund, der uns in Frage stellt und ein Hort, bei dem wir geschützt sind. Beides, aber nicht eines allein. Ich finde, sie könnte sich Beulen holen, weil sie wieder lernt sich aufzuregen über das, was alles wieder und wieder geht an Gemeinheit und Ungerechtigkeit. Am wichtigsten aber finde ich, sie sollte sich mal Beulen holen beim Anrennen gegen die harten Schädel, die glauben, wenn sie nicht hinschauen, dann merken sie nicht, dass nachhaltiges, klimaneutrales Leben nicht nur notwendig sondern vielleicht die einzige Chance ist, zu überleben. Das sollte sie wirklich. Sage ich mal und überlege grad noch, wohin ich das Blogstöckchen weiterwerfe.
Hier sind schon mal meine Fragen:

1. Wenn Weihnachten morgen wäre, wie würdest du feiern?
2. Welche profetische Rede brauchst du?
3. Welche Vision vom guten Leben sollte unbedingt ins politische Programm aller Länder?

Derweil habe ich mich entschieden: ich schicke es der lieben Pascale, damit sie ihren Blog damit wecken kann, und der wunderbaren Köchin Miriam, die daraus vielleicht ein Kochrezept erfindet und allen, die sonst noch wollen. Und wie der kluge Alexander Ebel mir beigebracht hat: ihr könnt diese Fragen beantworten von Mechthild oder mit meinen neuen weiterbasteln.
Antworten, sehr gern auch gleich hier!

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6 thoughts on “Da ist es – das Blogstöcken

  1. 1. Das ist einfach: Wenn morgen schon Weihnachten wäre, würde ich in der adventlichen Wohnung viele Kerzen anzünden und mit meinem Liebsten Weihnachtsmusik hören und ein Glas Wein dazu trinken. Und wer immer Lust drauf hätte, für den und die gäb’s auch ein Glas.
    Und dann gingen wir irgendwo in die Kirche…
    2. Das mit der prophetischen Rede ist schon schwieriger… Hm… ich brauche Menschen, die mich ermutigen, aufrecht in die Zukunft zu gehen, auch wenn ich nicht weiss, was sie bereit hält.
    3. Und: Vision vom guten Leben ist eben mehr als politisches Programm. Drum: Menschen brauchen mehr als ein Dach über dem Kopf, genug zu essen und Kleider am Leib. Aber sicher nicht weniger! Also doch erst mal politisches Programm…

    Wirf dein Stöckchen doch noch weiter aus, die Fragen bleiben wichtig.

    Danke, du Liebe!
    Dir und euch ein wunderschöner 1. Adventsabend!
    Härz Pascale

  2. Spät, leider spät, aus bekannten Gründen, aber doch noch mal hier, liebe Brigitte, ein herziges Dankeschön für Deine geteilten Gedanken! Mir fehlt 1. genau dieses bewegte und bewegende Leben Jesu im Credo, ich würde 2. mit Dir als Kirchenpräsidenten gern kichern, ordentlichen Kaffee trinken aber auch sehr ernsthaft fragen, was wir mit Gott in der Welt alles zu sagen und zu tun und zu beten haben und 3. die harten Schädel vielleicht nicht nur mit Gerede und Rechthaberei sondern auch mit warmen Herzen erweichen… Vielleicht sind wir ja ohnehin schon dabei. Es ist Advent!

    1. Liebe, du meinst zum Guten verführen, statt weich hauen? Allemal lieber, aber gern auch nicht nachlassen darin, liebe Kirche, also so wie die bittende Witwe, die nicht gleich aufgibt. Danke für deine Antworten, ich finde es schön, zusammen mit Glaubensbekenntnis viiiiel Platz frei zu machen und dann demnächst einmal einen langsam Kaffee!

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