Schenk dir einen Moment der Stille

20151103_152523

Diese Plakate hängen gerade in den Trams und Bussen von Basel-Stadt und Basellandschaft. Die Kirchen der Region (www.ihrekirchen.ch) fordern mich auf: „Schenk dir einen Moment der Stille“. Denn „Stille ist Luxus“. Die Stille wird durch Ohrstöpsel symbolisiert. Das Luxuriöse sollen die Diamanten neben den Ohrstöpseln sichtbar machen. Und zur Realisierung des stillen Moments dienen die Kirchengebäude in der Region, die in der Zeit der Kampagne offen stehen.

Mir gefällt vieles an der Kampagne. Stille ist heute ein kostbares Gut (geworden). Die Kirchengebäude werden von vielen Menschen als Orte der Stille genutzt. Kaum etwas wird in Kirchen so intensiv gebraucht wie das Angebot, nach einem stillen Gebet eine Kerze anzünden zu können. Und ihr Potential ist da längst noch nicht ausgeschöpft.

Was mich irritiert, sind die Ohrstöpsel. Ohrstöpsel verwende ich zum Beispiel, wenn ich trotz einer lärmigen Umgebung schlafen möchte. Ohrstöpsel verwende ich, wenn ich mich von meiner Umgebung abschotten möchte. Einen Teil der Symbolik kann ich nachvollziehen. Die Kirchengebäude sind gleichsam die Ohrstöpsel, die die lärmige Umgebung von mir fernhalten. Aber dann fängt es für mich an zu hinken. Mit den Ohrstöpseln verstopfe ich eines meines Sinnesorgane. Ich sorge dafür, dass ich weniger höre.

Wenn ich in einer Kirche Stille suche, möchte ich aber nicht weniger, sondern mehr hören. Ich möchte anderes hören. Ich möchte meine Sinne nicht verstopfen, sondern öffnen. Ich schliesse den Lärm der Umgebung aus, um die Stille zu hören. In der Weite des leeren Raums um mich herum. Als leises Berührtwerden vom Geheimnis des Lebens, das hier Raum findet.

Die Ohrstöpsel sind für mich kein Symbol für die Art der Stille, die ich suche und die für mich der wahre Luxus ist.
Ich weiss allerdings gerade auch kein anderes. Hat jemand eine Idee?

Peter Zürn

Advertisements

One thought on “Schenk dir einen Moment der Stille

  1. Mmm, lieber Peter, du hast sicher recht. Allerdings brauche ich oft erst einmal Abschalten von aussen, bevor ich innen zur Ruhe komme. Und seltsamerweise fallen mir für die Erfahrung von Stille, wie du sie glaube ich meinst, dann fast nur kitschige Bilder ein. Oder Orte, an denen sie mir mehr zufällig begegnet ist. Wie neulich, als ich im Wohnzimmer sas, während der Tag eindunkelte, der Platz unter uns beleuchtet wurde und sie plötzlich zu Besuch war. Kennst du das auch? Vielleicht bräuchte sie solche Bilder?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s