Rosenmund und Klimatechnik

Auf meinen Wegen durch Basel begegne ich immer wieder einem Service-Fahrzeug dieser Firma: Rosenmund – Sanitär Heizung Lüftung Kälte. Und jedesmal bleibe ich einen Moment an dem scheinbaren Widerspruch hängen: Rosenmund, so ein poetischer Name und dann geht es um Haustechnik. Was kann denn der Mund einer Rose zu Fragen von Sanitär, Heizung, Lüftung und Kälte zu sagen haben?

Dann stutze ich. Dass ich zwischen Poesie und Technik so stark trenne, zeigt vielleicht mehr von mir als mir lieb ist. Warum sollten denn Poesie und Technik getrennte Gebiete sein? Gerade in der Klimatechnik der Firma Rosenmund. Im Moment tagt in Paris der Weltklimagipfel. Gerade bei der Rettung des Weltklimas – dem gemeinsamen Haus aller Menschen – sollten Poesie und Technik zusammenkommen. Sollte Raum sein für Gefühle, Träume, Bilder, offene Räume, weite Horizonte und für technischen Sachverstand, Analysen und Berechnungen, Genauigkeit in den Vereinbarungen.

Wenn das nicht zusammenkommt, dann fürchte ich, wird uns die Gestaltung des Klimas in unserem Welthaus nicht gelingen. Dann werden die Vereinbarungen und technischen Neuerungen ohne Seele bleiben und uns nicht im Innersten berühren. Oder gar nicht zustande kommen, weil wir uns nicht nahe genug gekommen sind.

Ein Rosenmund muss sich mit dem Hausklima beschäftigen. Da ist die Basler Firma wegweisend. Schön, dass sich unsere Wege ab und zu kreuzen.

Im vierten Jahrhundert gab es einen Theologen, dem die Kirche den Ehrentitel Chrysostomos, Goldmund, gab. Er muss ein begnadeter Prediger gewesen sein, dessen Worte die Menschen intellektuell herausforderten und emotional bewegten. Dass Johannes Chrysostomos leider auch ein grässlicher Antisemit und Sexist war, darf allerdings auch nicht verschwiegen werden.

Wir brauchen heute keine rassistischen und sexistischen Goldmünder, auch wenn sie in Krisen besonders schnell Bedeutung erlangen. Wir brauchen aber angesichts der anstehenden Klimakatastrophe intellektuell herausfordernde und emotional berührende Rosenmünder. So dass nicht nur die Menschen zu Wort kommen, sondern auch die Anliegen der Rosen und aller anderen Bewohnerinnen und Bewohnern der Erde gehört werden.

Peter Zürn

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