Weakness-Studio

Im Postauto von Dättwil-Täfere nach Baden. Morgens um sechs. Berufsverkehr. Es ist voll. Hinten, bei den Sitzen parallel zur Fahrtrichtung ist noch ein Platz frei. Ich gehe hin, nehme meinen Rucksack vom Rücken und drehe mich, um mich zu setzen, da fährt der Bus an. Der Schwung ist zu stark, ich falle nach hinten – und sinke in die Arme der zwei Männer, die dort auf der Querbank sitzen. Es sind zwei junge, dunkelhäutige Männer in Jeans und Kapuzenpullis. „Flüchtlinge“, denke ich. Und: „Wie peinlich!“ und „Du wirst  alt“. Und dann merke ich, wie gut es sich anfühlt, gehalten zu werden. Und wieder auf die Beine gestellt. Und angelächelt.

Peter Zürn

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2 thoughts on “Weakness-Studio

  1. Weisst du, was mir an dieser kleinen Geschichte so gut gefällt? Dass ich mich so gut darin wieder finde. Wie lange das dauert, einfach nur in dem Augenblick zu bleiben, der ist. Himmel. Manchmal hilft mir da auch nur der Zufall oder eben der Fall. Und gleichzeitig ist es die Geschichte einer Begegnung. Ob sie weiterging? Und während ich sie zum dritten Mal lese, frage ich mich: darf man das, dürfen wir das, so „naiv“ erzählen? Ja klar, denke ich, wir müssen so erzählen, trotz allem. Aber im Inneren gibt es auch noch eine Stimme, die fürchtet, einer könnte sofort wieder sagen „Gutmensch“.

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