So gross, so neu, so unfassbar frech

 

„Woher kommt das Neue?“, hat Brigitte Becker gefragt. Manchmal kommt es „von oben“. Geschenkt, wie ein Pfingstwunder. Gelegentlich kommt Neues auch verordnet, von einem andern „oben“. Das lieben wir meist weniger. Die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens aber kommt „von unten“, von Menschen wie du und ich. Von einem Suchtrupp, der sich selber ausgesandt hat. Auch „von innen“, viel Herzblut steckt darin, viel Kreativität und die Sehnsucht nach einer anderen, besseren Welt, nach einer Neubewertung von Arbeit und Einkommen. Dafür zolle ich Respekt!

Die Vision aus dem Briefkasten, wir haben sie inzwischen alle auf dem Tisch. Ich finde, sie ist irgendwie prickelnd, voller Kraft, ja sogar gesellschaftlicher Sprengkraft. Sie ist so gross, so neu, so unfassbar und fast zu frech, um uns – mit dermassen vielen ungeklärten Fragen – schon zur Abstimmung vorgelegt zu werden. Doch sie will ganz auf die Erde. Sie muss das auch, wenn sie zum Leben erweckt werden will. Und so stellt sie sich aktuell in der öffentlichen Debatte einem harten Realitäts-Check.

Man prognostiziert uns gewaltige wirtschaftliche Veränderungen und damit des ganzen Arbeitsmarktes, was gesellschaftliche Umwälzungen mit sich bringen wird. Das Neue kommt also – unabwendbar und für uns offensichtlich unbeeinflussbar – auch von aussen. Aber das WIRKLICH Neue ist eigentlich dies: dass das Bewusstsein dafür gewachsen ist, dass wir inbezug auf diese kommenden Veränderungen nicht einfach Zuseher/innen sind/sein müssen, wartend, und dann irgendwann, wenn alles schon gelaufen ist, reagierend oder gar resignierend. Wir können, ja wir müssen mitdenken, mitgestalten. Das ist der Gewinn, den uns das Bedingungslose Grundeinkommen schon heute geschenkt hat, unabhängig vom letztendlichen Abstimmungsergebnis: die Diskussion ist lanciert. Menschen reden miteinander – im Bus, in der Kaffeepause am Arbeitsplatz, am Familientisch, auf facebook – über ihre Werte: darüber, wie sie gerne leben möchten, was ihnen Arbeit und Geld bedeuten, was sie – neben dem Arbeiten – sonst noch gerne tun würden …

Dass das Bedingungslose Grundeinkommen eine Chance auf ein Ja an der Urne hat, ist eher nicht zu erwarten. Vielleicht müssen wir es noch üben, eine Zukunft mutig in ungewohnten Bahnen zu denken und das Risiko eines gesellschaftlichen Wandels einzugehen, das nicht in allen Belangen kalkulierbar ist. Vielleicht haben wir „dort oben in Bern“ auch noch nicht die richtigen Köpfe, die den Volksauftrag, ein Bedingungsloses Grundeinkommen einzurichten, mit der nötigen Kraft vorantreiben würden, wenn sie denn müssten. Schade eigentlich. Ich meine, es würde gerade der wohlhabenden Schweiz gut anstehen, eine Vorreiterinnenrolle zu übernehmen und in ein Zukunftsprojekt zu investieren, statt in einer Haltung der Angst eine Sparübung nach dem andern durchzuziehen.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s