in den Mond gucken und mit den Wölfen heulen

Mein Lieblingsbilderbuch heisst „Samstag im Paradies“, von Helme Heine gezeichnet. Es ist kitschig, und irgendwie sehr besonders. Darin werden Adam und Eva nicht erschaffen, sie erkunden darin die Welt des Paradieses, reiten auf Riesenbisons, bewegen sich im Urwald, sind die kleinen Geschöpfe inmitten all dessen, was schon da ist, inmitten von Leben, was sie aufnimmt und ihnen Raum gibt. An dieses Bilderbuch musste ich denken bei der Frage der Arena, von der Peter Zürn vor zwei Tagen schrieb: was würdest du tun, was würden sie tun, hätten sie mehr Zeit?

Ich bin gar nicht sicher, ob ein Zukunftskonzept wie das bedingungslose Grundeinkommen wirklich so viele Möglichkeiten eröffnet, wie ich gerne in diese Vision hinein lesen will. Es stimmt ja nicht, dass wir einfach mehr Zeit haben werden. Wir werden immer noch arbeiten, uns selten auf Riesenbisons durch die Welt bewegen, also ganz selten wie Peter schrieb, etwas tun oder etwas bekommen ohne Gegenwert. Wir werden auch immer noch verschieden viel brauchen. Die einen werden bedürftiger sein als die anderen, krank vielleicht oder Kinder haben. Immer wird es Ungerechtigkeiten geben. Es wird uns mit der Utopie kein Tag geschenkt. Dennoch: Nutzlosigkeit. Freiraum.Mehr. 

Ich stelle mich also der Frage: was würde ich tun, wenn ich acht Tage hätte statt sieben? Vorläufig reservierte ich einen Tag für: in den Mond gucken, mit den Wölfen heulen, zu Unzeiten am Morgen Lieder singen, in der Natur aufwachen, mich überraschen lassen, ein Buch an einem Stück lesen bis der Rücken weh tut, im Halbschatten am Bach träumen, eintauchen in die ganze grosse Schöpfung und darin glücklich leben. Ich würde sehr gern der Zucchini beim Wachsen zusehen und mit den Kindern durch Brunnenfontänen rennen. Oder einen Espresso trinken, Ewigkeiten lang. 

Selten komme ich dazu, zu all dem und noch meh. Wenn ich keinen Grund mehr hätte, mich zuerst nützlich zu machen und mich nützlich zu verhalten, ich würde dann vielleicht einfach wagen, hingegebener zu sein. Wäre auch schön. Was würdest du denn machen, Ruth, an deinem achten Tag?

 

 

 

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