Wortblüten

Was ich denn machen würde, an meinem „achten Tag“, fragt mich Brigitte Becker und überreicht mir das Blogstöcklein. Ehrlich gesagt, ich habs nicht so mit der Vision von diesem achten, dem Super-Auszeit-Tag. Ich mags wie es ist: sieben Tage gut gemischt. Mit Zeiten zum Arbeiten (Broterwerb, Haushalt) und Zeiten für lange Weile im wunderschönen Wortsinn: um durch die Gegend zu streifen und zu fotografieren, den ziehenden Wolken nachzuschauen, ausführlich mit einer Freundin zu telefonieren, auf dem Balkon zu sitzen und zu warten, ob ein paar Gedichtzeilen aus meinem tiefsten Inneren aufsteigen … Ich glaube wirklich, dass die gute Mischung und die Freiheit, hier selber gestaltend sein zu können, selber Rhythmus und Takt zu bestimmen, letztlich den Genuss, die Lebensqualität , ja das Glück ausmachen. Das sagt eine, die nur zu 60 % erwerbstätig ist, und diese 60 % erst noch auf sieben Tage verteilen kann. Das ist für mich eine stimmige Sache. Gute Arbeit. Gute freie Zeit. Zum Preis von weniger Lohn natürlich.

80 % der Deutschen würden gemäss einer Umfrage bei Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens weiterarbeiten. Interessant ist aber dies: Die gleichen Personen sind davon überzeugt, dass 80 % der Deutschen nicht weiterarbeiten würden. Eine interessante Geschichte, finde ich. Woher kommt sie nur, diese Angst vor der sogenannten „Hängematten-Mentalität“ (natürlich nur der andern), die sich in dieser Umfrage zeigt und die im Abstimmungskampf immer wieder heraufbeschworen wird?

Ist diese Besorgtheit vielleicht nichts anderes als kaschierter Neid? Wir sind uns so gewohnt, nichts zu bekommen, was wir nicht verdient haben, oder zumindest meinen, verdient zu haben. Durch Arbeit zum Beispiel, oder auch einfach, weil wir – zufällig – in diesem Land geboren sind. Wir klammern uns an dieses System, im Nehmen und vor allem im Geben. Tief verankert ist die Botschaft: „Ohne Fleiss kein Preis.“ Oder: „Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ Und in Zukunft sollen nun plötzlich ALLE … und erst noch BEDINGUNGSLOS …?

„Giesskannenprinzip“ sei das, sagen die Gegner/-innen. Das ist das Killeragrument per se. Damit ist die Sache jeweils politisch schon geritzt. Aber nur fast, meine ich.

Fehlender Leistungsanreiz sei die Folge des BGE, setzen die gleichen Gegner/-innen noch obendrauf. „Leistungsanreiz“ ist übrigens auch so eine Wortblüte aus diesem Abstimmungskampf, die man sich mal auf der Zunge zergehen lassen muss. Die Frage, die dabei aufsteigt, ist bedenkenswert: Was motiviert mich zur Arbeit? Und weiter: Was würde mich zur Arbeit motivieren, wenn es denn ein Grundeinkommen gäbe?

Wie ist das bei dir?

Ruth Eberle

 

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