Alles gesagt?

Weil ich gerne rede und dem Sprechen viel zutraue, finde ich von allen schwierigen Erfahrungen die am schwierigsten, wenn nichts zu sagen ist. Manchmal nutzt alles Reden nicht. Oder zu wenig. Manchmal gibt uns Reden sogar die Illusion, dass damit etwas klarer werden könnte. Wird es aber nicht. Dennoch haben wir nicht mehr als Worte.

Weil ich gerade in Deutschland war, habe ich die Berichterstatttung dort zur Abstimmung über das Bedingungslose Grundeinkommen ein bisschen mit verfolgt; in einer regionalen Tageszeitung, nicht in den „grossen“ Printmedien. Neben den grossen Fragen wurden dort die kleinen Details am Rande gesammelt, zum Beispiel die einer Umfrage unter Schweizer Stimmbürgern: was würden sie tun, wenn sie das BGE hätten? Die meisten dieser Gruppe haben sich gewünscht, mehr Zeit für das eigene Lernen zu haben und mehr Raum für die Familie und natürlich, keine Frage, weiter zu arbeiten. Wäre das nicht eine gute Entwicklung? Fragte die Lokalredaktorin am Schluss.

Das hat mir gefallen.  Es gibt die Erfahrung von Anders-Orten, und es gibt das Bedürfnis danach, anderes erfahren zu können und das eigene Leben noch einmal nach neuen Gesichtspunkten auszurichten. Vielleicht wird dann beim zweiten Versuch gar nicht so viel anders. Aber es ist noch einmal durchdacht, es ist neu entworfen, es ist wieder neu gegründet. Und vielleicht kümmert sich jemand ganz anders um das, was er und sie lernen wollen, wenn es ihnen nicht um eine Berufsqualifikation geht.

Die Aufgabe, die Ausrichtung des Eigenen zu überprüfen, die würde die Utopie des bedingungslosen Geldes uns allen stellen, der  Bankerin und dem IV-Bezüger und allen anderen.  Darüber, was wir dann täten und wie es dann würde und was es dann kostete und wie es dann wäre und wer wir dann würden und wann wir dann anders würden und wer vielleicht Unrecht erfahren würde und wer vielleicht mehr Gerechtigkeit und wer wir wären, die es bekämen und wer ausgeschlossen, ja, darüber lässt sich sprechen. Doch ich habe das Gefühl, es wird uns nicht vor dem anderen schützen: zu entscheiden, ob die Zeit nicht reif ist, diesen neuen Raum, die Utopie zu betreten und von innen zu gestalten. Für mich ist dieser Schritt schon lange reif. Und für dich?

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