Im Übergang

Jeden Morgen fahre ich auf dem Weg zur Arbeit mit dem Velo durch den Wald. Schön ist es. Das Knirschen der Steine unter meinen Reifen untermalt sanft die Stille, die mich umgibt. Stille und Wald sickern in mich ein.

Und dann gibt es einen Moment, an dem ein akustischer Vorhang zur Seite geschoben wird und ich in den Lärm der Autobahn hineinfahre und von ihm eingesogen werde. Das Leben brummt. Geschäftig. Gierig. Gefährlich. Auch das ist schön. Gleich werde ich mich hineinstürzen.

Manchmal halte ich hier einen Moment lang an. Im Übergang. Berührt von beiden Schönheiten. Und auch der Übergang hat seine Schönheit. Die Stille klingt noch ganz leise nach. Ist aber schon nicht mehr. Ist schon vermisst. Das brausende Leben ist schon da. Aber es verschlingt mich noch nicht.

Nicht mehr und noch nicht. Die Schönheit des Übergangs. Dazwischen. Mit beidem verbunden. An beidem interessiert. Inter-esse. Dazwischensein. Am Übergang stehen wie Jakob am Jabbok in der Bibel: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“

Zum biblischen Übergang des Jakobs gehört der Kampf mit dem Engel. Gehört die Verwundung und das Hinken. Wo sind die bei meinem Übergang? Ich werde versuchen morgen früh darauf zu achten.

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