durst

Ein grosser Graben ist das zu dem, der da hängt am Kreuz. In jedem Jahr neu taste ich mich höchstens an ihn heran. So radikal, so konsequent und so ohne jeden Selbstschutz. Geht, wird, wird immer mehr, immer mehr das Kind Gottes, der Sohn, der keine Furcht zu haben scheint trotz allem, in aller Sinnlosigkeit einen Sinn sieht, der einfach geht, gewaltlos bis zuletzt und stirbt. Voll Vertrauen, voll Schmerz.

Und dennoch ohne Umkehr. Ohne einen Ausweg zu nehmen.

Ach ich kann das nicht gut ertragen. Ihn da hängen sehen, wie er so weit kommt, dass er andere, Gewalttäter, Schärgen, fragen muss nach dem Wasser, das er zu trinken braucht. Und Essig bekommt.

In jedem Jahr neu dieser große Graben. Hätte es keinen anderen Weg gegeben? Muss der Sohn Gottes solchen Durst wirklich aushalten? Dieser hilflose Gottessohn. Voller Durst. Nach Wasser und Gott.

Ein kleiner Schritt nur, jedes Jahr auch. Weg von dem Leiden hin zu dem, was in dieser Geschichte plötzlich alles geschieht. Ein komplexes Drama entfaltet sich und setzt etwas frei – was wirkt bis heute.

Gott hat Durst.

Eine Gewaltspirale unterbricht sich. Unklar, wer hier siegt und wer verliert. Unsicher, wer hier Durst behält und wer das Wasser des Lebens trinkt. Unklar, wie eine Situation sich wieder schließen soll, die plötzlich so offen ist. Ein Anfang. Gemacht.

Von diesem. Seither sehe ich die, die Gewalt unterbrechen irgendwie genauer. Ein kleiner Schritt nur und ich sehe – den Abglanz des Durstigen auf den Gesichtern all dieser anderen, die hartnäckig darauf bestehen, dass gewaltlos im Großen und Kleinen mehr Leben möglich ist. Ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben. Sagt, der da hängt.

Füllt eure Krüge. Wir können noch mehr.

kleiner harziger Text aus der Vesper in der Johanneskirche am 21-3-17, nein, Passion ist nicht schön. 

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