Tango

Dem Tango nach…gehen

Es ist mir nicht klar, was genau das macht. Dass dieser Tanz so fasziniert und in Bann zieht, so Lust macht, es auch zu probieren, so gleichzeitig einem das Gefühl gibt, es bräuchte ein Leben, Tango tanzen zu lernen. Oder anders – ist der Tango vielleicht so sehr wie das Leben, dass es gar nicht anders geht, als Tango und Leben zusammen zu denken? Jedenfalls, er überrascht, tanzend und schauend, mich immer wieder neu. Sie auch?

Es ist mir nicht klar, was genau da passiert. Ich sehe drehen und kreisen, Nähe und Verbundenheit, zwei, die genau und bedächtig, wirbelnd und langsam, führend und geführt, in dem Moment sind und in diesem Tanz. Als ob gar niemand sonst da wäre und sie nicht hörten, was gespielt wird, und tanzten, sondern gleichsam, tanzen und dabei die Musik erfinden, die wir hören. Alles in einem Augenblick. Als ob dieser Tanz es schaffte, die Welt zu erfinden, in dem man ihn tanzt. Oder nicht?

Es ist mir nicht klar, ob ihnen das auch so geht, ob ihr euch genauso fasziniert davon, diesen Rausch wahr zu nehmen, wie sich hier zusammenfügt, Begegnung und das Jetzt, einfach im Tanz. Er passt gut hierher in einen Raum, den wir sonst füllen mit Reden und Schweigen und Singen und Musik, mehr im Kopf statt im Körper. Tango, ein wohltuendes Gegengewicht.Tanzen. Teil, tief verwurzelter Teil unserer Kultur. Ritual, Brauch, Beruf, Gefühlsausdruck. Oder einfach und schlicht: Lebensgefühl? Viele haben sicher genauso wie ich in diesen wenigsten Tagen ganz viel Tanz gesehen. Manches vielleicht ausprobiert. An anderen Orten als sonst. Nicht zurückgezogen in Tanzwerken und Hallen. Auf Strassen und Plätzen und eben auch und hier in Kirchen.

Mir gefällt es und ich könnt es öfter haben.

Den Boden berühren

darauf hin und her

darauf weich und fest

darauf gehend tanzen.

Dem Tanz nach gehen.

Den Boden lieben

auf dem wir stehen

darauf schleichen und schweben

fest verbunden

miteinander

den Tango tanzen.

Es ist mir nicht klar, ob das stimmt. Aber es wird erzählt, dass die Menschen des Anfangs, tanzten, nicht gingen. Manchmal im stampfenden Rhythmus, passend zur Arbeit und manchmal im Kreis in der Gemeinschaft und manchmal, wenn sie einander von Liebe erzählen wollten, tanzten sie das, was später der Tango wurde.

Vermutlich ist diese Legende einfach erfunden. Aber vielleicht gefällt sie mir grad deswegen. Weil sie den Tanz und uns Menschen verbindet.

Als wären wir nicht vollständig, würden wir nicht auch einmal tanzen. Als wären wir also auch für das Tanzen gemacht. Tanzt also, bitte, vor allem auch hier. Damit die Steine dieses Ortes, die so viel Wissen vom Menschsein, auch das nicht vergessen, sondern speichern: der Tango, der gehört zu einem vollen Leben dazu.

Zur Eröffnung von „Tango in der Kirche“ im Rahmen von Zürich tanzt! am 7. Mai in der Johanneskirche

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