beinahe ohne jeden laut

Manchmal, wenn ich ganz genau hinhöre, höre ich dennoch nur Gewitter. Nicht die Stille zwischen dem Donner. Kein Atemholen zwischen all dem Theater am Himmel. Nur Wetter.

Manchmal sehe ich Töne, bevor sie kommen. Ich entdecke das Sprechen, bevor jemand spricht. Ich sehe das Wort, wie es sich bildet auf einem Gesicht und dann wird.

Manchmal spitze ich die Ohren, versuche zu verstehen, strenge mich unglaublich an und höre dennoch – gar nichts. Nur meinen Herzschlag. Nichts von der Welt, nichts von dem Gespräch, nichts von meinem Gegenüber. Nur laute Stummheit.

Manchmal da gehe ich durch das Lautrauschen der Stadt, branden Töne an mich und Gedanken, Wortfetzen und Klänge, Autos und Trams, Klingeln und Pfeiffen, Brusten und Bellen und ich bin ein Ton inmitten dem allen und einfach und nur mittendrin.

Manchmal höre ich in mir den Herzschlag und bin so davon eingenommen, so sehr damit verbunden, dass ich nur ihm zuhören will, oder dem Lachen des Kindes im Kinderwagen oder der Katze, die schnurrend um meine Beine streicht, oder der Blume, die auf meinem Fensterbrett wächst, dass ich gar nichts anders zu hören Lust habe und nur dem lausche.

Manchmal kann ich sogar das Gras wachsen hören, da höre ich meine Sehnsucht. Und manchmal die von der Frau neben mir im Bus.

Jesus erzählt: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen auf die Erde wirft. Und er schläft und steht auf und schläft und steht auf, Nacht und Tag; der Same geht auf und wächst – er weiss nicht wie.

Manches geschieht beinahe ohne jeden Laut.

 ZwischenZeit St. Jakob 23.2.17

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