Ich sehe sie immer mit fliegenden Röcken

Ich sehe sie immer mit fliegenden Röcken. Nicht langsam und bedächtig, neugierig und ein bisschen getrieben. Schnell unterwegs mit vielen Fragen.

Ob stimmt, was der Engel ihr erzählt hat? Dass die alte Elisabeth wirklich noch einmal schwanger geworden ist und darum genau wie sie, ihre junge Verwandte, zur selben Zeit wie Maria in froher Erwartung auf das Kind?

Ich sehe sie immer mit fliegenden Röcken, auch wenn das vielleicht gar nicht stimmen kann und ihre Röcke nicht weit waren und nicht lang, dennoch denke ich sie mir in Eile. Maria auf dem Weg zu Elisabeth.

Eine grosse Nachricht, eine Engelbegegnung, immerhin viel und sehr Neues für ein normales Leben.

Irgendwie muss man da irgendwo mit hin oder nicht?

Und wohin geht eine Frau mit einem Frauengeheimnis, nicht viel mehr habend und wissend als nur: ich bin jetzt schwanger, noch nicht verheiratet? Sie geht zu der Alten, zu der, die ihr raten kann, zu der, von der sie wissen will, ob wirklich gut ist, was jetzt geschieht.

Ich verstehe sie gut. Ich wäre auch zur Freundin gegangen. Wohin denn sonst.

Und so sehe ich Maria mit fliegenden Röcken sich Gewissheit verschaffen wollen. Ist wirklich gut, wenn da etwas Neues anfängt, das ganz anders ist als alles, was bisher gekannt war und sicher? Lässt sich das wirklich gemeinsam tragen, kann sie, die junge Frau, das wirklich leben und aushalten, was nun geschieht?
Das ist ihnen vielleicht ein bisschen zu psycholo-gisch, wenn ich so rede über die Gottesmutter. Doch tatsächlich merke ich, ich mache mir beinahe Sorgen um die junge Frau.

Wie viel Aufgabe steht jetzt vor ihr. Wie viel Unsicherheit muss sie aushalten. Wie viel Not wird sie kennenlernen und wie ungeschützt muss sie jetzt leben. Himmel. Weihnachten, keine Luxusgeschichte.

Wenn Gott kommt haben alle zu tun.

Ich sehe sie darum immer mit fliegenden Röcken. Denn wenn eine weiss, was Gott auf der Welt vorhat und es ist so etwas waghalsiges, wie als Kind geboren zu werden ausgerechnet von ihr, von Maria, dann braucht es sofort und ganz dringend Unterstützung und Hilfe und Beistand und Freunde, die da sind. Was sonst?

Also geht sie, Elisabeth die Nachricht zu bringen, damit sie dort hören kann, ob wohl alles gut ist und alles so werden soll.

Und die beiden, sie verlassen sich nicht auf ihre eigene Stärke und ihr eigenes Wissen. Nein, sie umarmen einander, auf vielen Bildern zu sehen, im tastenden Zögern, um zu horchen, was ihnen die Begegnung nun sagt über das, was ist. Ein Augenblick des Wartens in all der Eile. Wir warten mit ihnen……

Da hüpft das Kind bei Elisabeth im Leib und damit wird klar- alles, was geschieht, ist gut. Freude. Erwartungsfreude wächst von innen nach aussen. Gott wird ein Kind. Weniger nicht. Und dann lässt sich sagen „mir geschehe, was du willst“.

Ich sehe uns eilen mit fliegenden Röcken durch die Zeit und hin aufs Fest. Und hoffe und wünsche für mich und für uns, es wird dennoch geschehen, dass wir die kleine Erschütterung des Neuanfangs spüren und sei es von einem hüpfenden Kind.

auf Weihnachten zu, 19-12-2017

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3 thoughts on “Ich sehe sie immer mit fliegenden Röcken

  1. Liebe Brigitte,
    ach, wieder einmal ein so schöner, eilender Text – den ich lese, von einem Wort zum nächsten fliegend! Ja, ich hab sie mir auch immer eilend vorgestellt, nicht so bedächtig wie im Lied „Maria durch ein Dornwald ging“, ach wie schön, dass es dir auch so geht. Und nun habe ich mit deinen „fliegenden Röcken“ auch ein unauslöschliches Bild vor Augen.
    So schön, deinen Text auch nach Weihnachten zu lesen. Danke sehr!
    LG, Friederike

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