Aufstehen bei Gott – zu Mk 2, 1-12

Wie lange braucht es, bis man sich einrichtet? Einrichtet in dem Leben, das wir so haben. Zufrieden mit dem, was gerade ist, einverstanden mit dem, was wir haben und sind?

Wie lange braucht es, bis die Hoffnung stirbt, darauf, dass etwas sich wirklich ändert? Darauf, dass etwas in Bewegung kommt, sogar in uns und uns mitnimmt, zu anderem Sein, in anderes Dasein und wir andere werden? Wie lange schätzen sie?
38 Jahre, so erzählt das Johannesevangelium auch von einem Gelähmten hat ein anderer nieder gelegen. Gelegen, den ganzen Tag. Nie einen einzigen Weg selbst gemacht.

Unvorstellbar lange Zeit.

Wie lange braucht es, bis man sich an die Perspektive gewöhnt, die man hat und in ihr bleibt, komme was wolle?

Bis wir gerade zu ein bisschen daran klammern: Das, was wir sehen, das, wie wir die Welt sehen, genau das ist richtig. So, liegend.

 

Der hier, von dem heute die Rede ist, er hat nicht mehr gerufen um Erbarmen. Er hat nicht gebeten, nichts mehr gesagt. Wie oft sagen Menschen nichts mehr. Nehmen das hin und an und her, was ist, und leben darin, dann eben liegend.

Wie fügsam und fähig sind Menschen, das Wünschen zu verlernen, das Wünschen auf umfassende Veränderung, das Wünschen darauf, dass wir andere sein könnten, aufgerichtet, gross, auf unserem Weg. Nein, natürlich, nicht bei allen ist das so, aber doch oft. «Grösser, als ich jetzt bin» darf ich das wünschen?

«Freier, als bei uns erlaubt» können wir das sein?

 

Voll Faszination schaue ich dieser Geschichte zu, wo andere wünschen für den, der da liegt. Als hätten sie nichts Besseres für sich zu tun. Sie rufen, sie bauen ab, sie schleppen hinauf und lassen ihn hinunter, sie kümmern sich. Sie haben ihn hoffentlich vorher gefragt. Jedenfalls, sie machen seine Sache zu ihrer.

Voll Faszination sehe ich Menschen, die finden, es muss keiner liegen bleiben. Keiner auf Dauer dort nur Lähmung erleben, wo er gerade ist.

 

 Vermutlich hat es das dann sehr lange gedauert, bis der, der da liegt, begriffen hat, was er hört und erlebt: Gott hat dir dein unrechtes Tun vergeben. Gottes Kraft handelt und ist in dem, der da redet.Und die sagt ihm grad solches zu.

Aufstehen bei Gott, so übersetze ich mir, meint, Ja zu sagen, zu dem ganzen Leben, das wir sein können, nicht nur für unseren liegenden Versuch, uns einzurichten.

«Dir ist alles vergeben, nimm dein Bett und geh». Und ich sehe ihn gehen, hinaus, aus diesem Haus, in seiner ganzen Schönheit, in der Gott ihn gemeint hat.

 

Gedanken in einer rundherum musikalischen Vepser am 29-10-19 in der Johanneskirche Zürich. Die wunderbare Musik müsst ihr euch leider selbst dazudenken…..

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