mitten unter euch

Müsterchen zum Reich Gottes (Nahe bei Lukas 17, 20ff)

  • Vielleicht ist ja alles ganz einfach: keine äusseren Zeichen suchen. Keine Hinweise erwarten. Selbst einfach machen. Wie Mechthild von Magdeburg sagte: Was in deinem Herzen die meiste Liebe weckt. Das tue. Nichts anderes.
  • Die grosse Utopie vom Reich zerfällt mir immer unter den Händen. Kaum kann ich sie einmal packen, da wird sie wieder klein wie ein Senfkorn, rutscht zwischen den Fingern hindurch, ist nichts, was man so richtig in den Händen hält. Ist wenig, leider sehr wenig. Nur der Hauch einer Ahnung von damals her: es könnt eine andere Welt geben.
  • Noch lange vor der digitalen Zeit erzählte Dorothee Sölle von einem, der stundenlang sein rotes Adressbuch suchte, das, in dem alle Adressen steckten, alle Kontakte, die er brauchte. Nach mehreren Stunden, als es endlich gefunden, wurde ihm klar und ging ihr durch den Kopf: mit so viel Energie mindestens, hat Jesus gefunden, sollen wir suchen nach diesem Reich Gottes. Vielleicht, damit wir begreifen, dass es und wo es schon da ist?
  • Manchmal blitzt es plötzlich auf. Dort, wo etwas unverschämt ist. Wo einer wünscht, weit über seine Grenzen. Wo einer glaubt, dass nicht alles so sein muss, wie es ist. Hartnäckig und geduldig setzt sich ein alter Lehrer gerade ein dafür, dass ein junges Mädchen, verlassen von seiner Familie, nicht auch noch den Mut verliert, die Lehre abzuschliessen. Grosser Träumer der alte Herr. Hartnäckiger Wünscher. Mir schwant, Jesus meinte so was. Gerechtigkeit. Gemacht, eingesetzt, mit Menschenkraft.
  • Manchmal warte ich, bis ich etwas sehe. Dorothee Sölle sagt dazu: wartend malen wir uns ein Bild von dem, was mal werden soll. Auf Gott warten heisst, sich das geplante und gewünschte Bild aus der Hand schlagen lassen und dennoch weiterwarten. Und grad deshalb begreifen: das Reich ist schon da, mitten unter uns. Blinde sehen, Lahme gehe und Kranken wird die frohe Botschaft gesagt. Weniger nicht.
  • Wichtig ist nicht, was einer ist, sondern, was einer erwartet.
  • Manchmal hätte ich gern äussere Zeichen. Mehr als nur einen Lichtblitz. Wie die Schriftgelehrten. Weil ich nicht weiss, was ich dazu zählen kann. Zu dem Guten, was kommt, und was Gott mit trägt.Ist die, die am Genfer See wohnt in einer grossen Villa und sich mit 97 Jahren ein grösseres Haus wünscht, damit alles Platz hat, was sie im Alter braucht, nur eine Verschwenderin oder eine, die grössere Träume hat von einer guten Welt, als wir ihr zugestehen? Ist der Anfang vom Reich Gottes eine gute Prise Verrücktheit, wenigstens Frechheit, jedenfalls ein Durcheinander von grossem und kleinem?
  • Reichen meine Träume aus, um das Reich Gottes zu entdecken?
  • Es hat ja etwas mit Vertrauen zu tun, das schon weiss: wie Maria wusste, dass Gott schon so lange auf Menschenseite ist, und darum zu singen begann, froh zu singen, als sie das Kind im Leibe spürte. Ohne Ahnung, was Gott damit anstellt, aber sicher – es lohnt sich, darüber froh zu sein.
  • Vielleicht ist es ganz einfach. Keine Zeichen suchen. Mitten unter uns, das kann vielleicht nur bedeuten: Tue das, was in deinem Herzen die meiste Liebe weckt. Nichts anderes.

 

Material für eine Improvesper am 12-11-19, manches davon habe ich vorgetragen, während Tobias Willi auf der Orgel hin und her improvisierte. Ein sehr speziell schönes Erlebnis.

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