Im Vexierbild – ein anderer Blick auf Mt 17, 1-9

Vermutlich haben sie das auch schon probiert.

Es ist ein kleiner Film, der durch die SocialMedia geistert. Ein Zug fährt darauf durch einen Tunnel. Wenn man sich nun im Schauen ein bisschen konzentriert, dann ist es plötzlich möglich, dass das vorwärts rasende Ungetüm einfach rückwärts zu fahren beginnt. Nein, nicht weil es das tut, weil Augen und Kopf und wir es so anschauen, dass das gelingt.

Und sonst haben sie sicher schon einmal die Alte Hexe als Rätselbild betrachtet, die sich in genau dieser Weise nach kürzerem oder längerem Schauen in eine junge Frau verwandelt, ohne dass sich etwas an ihr auch nur ändert.

Es sind schöne Gelegenheiten, uns beim Schauen selbst über die Schulter zu sehen.

Und dabei zu merken: wie wir sehen und interpretieren, immer zusammen, nie eines allein. Im Grunde ist es dann so: wir sehen, was wir erwarten. Wir bilden uns unsere Bilder so zurecht, dass wir schauen, worauf wir hoffen und entdecken, was wir schon kennen und es schon ein bisschen schwerer haben mit dem, was wir bislang noch nie gesehen.

Erst wenn uns jemand sagt, da drin steckt noch ein zweites Motiv, tut es sich auf. Obwohl das zweite nie weg war.

Es braucht, bis etwas Fremdes, das Unerwartete unsere Augen wirklich erreicht und dann auch noch unseren Kopf.

Petrus von vorhin ist da auch ein gutes Beispiel dafür. Die mit Jesus gingen, sie wollten ihn so offenbar sehen als einen, der Autorität hat und Macht.

Sie wollten sicher sein, dass der, der bei ihnen ist, getragen wird und gehalten.

Anders kann man sich eigentlich nicht recht erklären, wieso sie Erscheinungen hatten, Erscheinungen von

Moses und Elia, zwei grosse Profeten ihrer Tradition. Und Jesus, der Galiläer, sahen sie mitten dabei. Ja, dann ist alles gut.

Wer sollen die anderen beiden, die man da sah und da ahnte und meinte, Wer sollten die anderen Beiden denn auch sein? Zwei Grosse, die den, dem man da folgt, zur Seite stehen. Man könnte in solchen Bildern fast wohnen. Und ein paar Zelte aufschlagen und bleiben in solcher Eindeutigkeit. Der Profet hier unter den Profeten am Berg.

Anders gesagt: Die alte Hexe, sie hatten sie schnell in dem Bild entdeckt.

Doch dann ist das Schauen doch noch gekippt.

Und erst auf den zweiten Blick war da ein Schatten und sie sahen die Wolke, die alles verdeckte. Vielleicht war sie auch die ganze Zeit schon da. Zum ersten Mal sah man sie am Berg, den Mose bestieg. Seither war sie und ist auch für die, die hier sind in der Geschichte ein Zeichen für Gott, der zugleich unsichtbar bleibt und höchstens redet. Die Wolke des Nichtwissens nennt man sie später. Seit jeher ist sie der Grund, warum wir den Bildern von Gott lieber misstrauen.

Weil wir ja wissen, wir sehen entweder das eine, oder das andere. Gott aber, so scheint es, begegnet irgendwo zwischen den Bildern. Als Wort, als Ton, als unfassbares und Verstecktes. Zu hören, vielleicht dort am besten, wo wir den Bildern, vor allem den fertigen, misstrauen. Zum Glück würde ich sagen, ist das so, oder nicht?

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